{"id":276,"date":"2011-02-11T13:56:28","date_gmt":"2011-02-11T12:56:28","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.pace-europe.eu\/?page_id=276"},"modified":"2016-07-30T17:55:02","modified_gmt":"2016-07-30T15:55:02","slug":"11-fevrier-versus-11-septembre","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.pace-europe.eu\/de\/11-fevrier-versus-11-septembre\/","title":{"rendered":"11. Februar versus 11. September"},"content":{"rendered":"<p>Der 11. Februar 2011. das \u00e4gyptische Volk und unmittelbar danach das tunesische Volk, vertreiben ihre Diktatoren von der Macht. Diese historischen Ereignisse markieren das Ende eines unheilvollen Jahrzehntes, eingeleitet durch die Attentate des 11. Septembers 2001.<\/p>\n<p>Der 11. Februar erscheint n\u00e4mlich wie das verkehrte Spiegelbild des 11. Septembers: er verk\u00f6rpert den Sieg des Mutes \u00fcber die Angst, der Hoffnung \u00fcber den Fatalismus, der Bewunderung \u00fcber die Geringsch\u00e4tzung und der Freundschaft \u00fcber den Hass.<\/p>\n<p>Die Attentate auf New York und Washington sch\u00fcrten die Angst in der Welt, wobei viele sich fragten, wo die Grenzen des Fundamentalismus liegen w\u00fcrden. Mit Besorgnis wurde erwartet, dass der Fanatismus auf ein immer st\u00e4rker werdendes Echo in den arabischen L\u00e4ndern sto\u00dfen w\u00fcrde. Stattdessen, durch die Ereignisse in Tunesien und \u00c4gypten, wurden wir Zeuge des Sieges des Mutes und der Hoffnung: Mut, \u201eVerschwinde\u201d zu rufen und trotz der Repression standhaft zu bleiben, sowie C\u00e4sar das bis zum Ende tat ; Hoffnung, die arabische Welt aus seiner politischen Benommenheit und aus seinem wirtschaftlichen System der Ausbeutung durch oligarchische Nutznie\u00dfer aufsteigen zu sehen; Hoffnung auch, dass dadurch die arabische Welt ihre Rolle in der Umgestaltung der V\u00f6lkergemeinschaft komplett ausf\u00fcllen kann und sich den damit einhergehenden Herausforderungen, die die Mobilisierung aller Energien und Talente ben\u00f6tigt, stellt.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfartige Haltung dieser Frauen und M\u00e4nner allen Alters und aller sozialer Klassen, die einzig und allein mit ihrem Mut und ihrer Ausdauer die Geschichte ver\u00e4ndern, verlangt uns den gr\u00f6\u00dften Respekt und eine gewaltige Bewunderung ab. So k\u00f6nnen schon nur wenige Tage das immer noch oft anzutreffende Gef\u00fchl herablassender \u00dcberheblichkeit bezwingen. Ja, die Araber sind f\u00e4hig \u201enein\u201c zu sagen; Ja, auch sie sind trotz ihres angeblichen Fatalismus f\u00e4hig, Gro\u00dfes zu leisten, sowie 1789 oder 1848, sowie die Nelkenrevolution, der Fall der Berliner Mauer oder der Samtenen Revolution\u2026 Die tunesische und \u00e4gyptische Revolution gliedern sich vollst\u00e4ndig in diese gl\u00e4nzende Ahnenreihe bedeutender Ereignisse ein und vereinen so die arabische Welt mit Europa durch eine gemeinsame historische Dynamik. Die der Freiheit und der Menschenrechte.<\/p>\n<p>Um also diese sch\u00f6ne Entwicklung von der \u00dcberheblichkeit in Richtung Bewunderung zu unterstreichen, sollten wir von nun an nicht mehr nur von \u201edem arabischen Weg\u201c sprechen. Dieser prachtvolle Weg n\u00e4mlich hat uns bewiesen, dass er das Mittel ist, das der \u201e\u00f6ffentlichen Meinung\u201c wahrhaftig Ausdruck verleiht und dieser auch gerecht wird. Sprechen wir deshalb lieber von \u201edem europ\u00e4ischen Weg\u201c, als Huldigung an die Avenue Habib Bourguiba und an den M\u012bd\u0101n at-Tahr\u012br(Platz der Befreiung)und an das f\u00fcr die Demokratie vergossene Blut der arabischen M\u00e4rtyrer<a title=\"\" href=\"http:\/\/localhost\/wordpress\/de\/february-vs-september.html#_ftn1\">[1]<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So wie die Liebe nur einen Sprung von der Bewunderung entfernt liegt, ist in vielen europ\u00e4ischen Herzen, das aus den Septemberattentaten folgende Misstrauen der Zuneigung gewichen. Wessen unreflektiertes Weltbild w\u00e4re nicht ersch\u00fcttert, nachdem die Kopten sich geschlossen zum Schutz der im Gebet befindenden Muslime zwischen diese und die Polizei stellten ?<\/p>\n<p>Mit seinem 11. September, das Ende des Sommers 2001 k\u00fcndigte den Winter an: Erstarrung der Geister, Erstarrung der Herzen, angetriebenvon denen, die zum Kampf gegen \u201edas B\u00f6se\u201c aufriefen. Die Folge, ein Krieg im Irak mit katastrophalem Ausgang. Mit seinem 11. Februar, der Winter 2011 k\u00fcndigt das Auftauen, endlich, und damit ein neuer Fr\u00fchling der V\u00f6lker an.<\/p>\n<p>Den jungen Arabern, besser ausgebildet und qualifiziert (oft mit Diplomabschluss)und vernetzt mit der Welt durch moderne Technologien, stehen nunmehr andere Methoden, als die der terroristischen Gewalt, zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Es liegt nun an uns Europ\u00e4ern, diese tugendhafte Entwicklung zu begleiten, ohne jedoch unseren eigenen Schuldanteil zu vergessen, der in der Duldung und Unterst\u00fctzung der autokratischen und r\u00e4uberischen Regime f\u00fcr einen so langen Zeitraum und im Mangel an Investitionen in den zivilen Sektor liegt. Achten wir also darauf, dass sich die arabischen Revolutionen des Jahres 2011 nicht genau so entwickeln, wie diejenigen der europ\u00e4ischen Revolutionen des Jahres 1848, die damals mit ihren Demonstrationen und auch in ihrer Wirkung vergleichbar gewesen sind: ein entscheidender Schritt in Richtung Freiheit, gefolgt von zahlreichen R\u00fcckw\u00e4rtsbewegungen.<\/p>\n<p>Philippe Mazuel, 15. Februar 2011<\/p>\n<p>\u00dcbersetzt aus dem Franz\u00f6sischen ins Deutsche von Philipp V. Norz<\/p>\n<div><br clear=\"all\" \/><\/p>\n<hr size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p>[1] Einige franz\u00f6sische Journalisten benutzen immer noch den Ausdruck \u201cder arabische Weg\u201d anstelle von \u201eder arabischen \u00f6ffentliche Meinung\u201c zu sprechen. Die Partei der europ\u00e4ischen B\u00fcrger\/innen (PACE) versteht ersteren Begriff als (unabsichtlich) verachtend.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 11. Februar 2011. das \u00e4gyptische Volk und unmittelbar danach das tunesische Volk, vertreiben ihre Diktatoren von der Macht. Diese historischen Ereignisse markieren das Ende eines unheilvollen Jahrzehntes, eingeleitet durch die Attentate des 11. Septembers 2001. Der 11. Februar erscheint n\u00e4mlich wie das verkehrte Spiegelbild des 11. 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